Artgerechte Menschenhaltung

Guten Morgen aus dem schönen, kalten Gütersloh,

 

trocken, blauer Himmel und eisekalt,- herrliches Hundestunden-geb-Wetter.. 🙂

In den Hundestunden kümmere ich mich um die Hunde.  Ich möchte die Kommunikation zwischen Hund und Mensch verbessern, möchte erreichen, dass die Menschen ihre Hunde besser verstehen, damit sie sie besser behandeln können. Artgerecht behandeln können, oder zumindest artgerechter..Aber was genau soll das eigentlich heißen-artgerecht?

Nein, keine Angst,- ich bin nicht fanatisch und schreie „back to the roots“ und packe die Hunde in wilde Rudel oder bringe die Schlittenhunde in den Schnee und die Border Collies auf die Insel zurück..Artgerecht darf meiner Meinung nach für den Hund schon ein „bequemes“ Leben sein. Warum keine schöne, weiche Unterlage? Ist doch voll klasse, so weich zu liegen, wenn der Hund das mag. Warum nicht in einem schicken, geräumigen Auto zum Wald chauffieren lassen. Ist doch herrlich,- direkt am Wald raus und ab in die Natur.. Und warum nicht das beste, gerne auch teuerste Futter für den Hund…Spricht doch nix gegen,- solange es dem Hund gut geht dabei. Und jetzt kommt`s.. Jetzt komme ich ins Spiel, denn jetzt komme ich zu meiner Meinung von artgerecht, und das bedeutet für mich psychisches und physisches Wohlbefinden für den Hund.

Also, folgendes Szenario: Ich komme zu einem Erstgespräch. Familie mit Border Collie Rüde Max. Ich klingele an der Tür, es bellt. Frau Familie macht auf, Max springt mich an. Max bellt und knurrt und pöbelt mich an.. Frau Familie redet freundlich auf ihren Hund ein. „Och Maxi, freust Du Dich so über den Besuch..“ Max ist total gestresst!!! Aber Frauchen Familie denkt, der freut sich… DAS ist Miss-Kommunkation. Der eine redet von grün und der andere meint aber gelb. ( Gibts bei Menschen ja auch, diese Mist-Kommunikation)..Frau Familie denkt, Max freut sich. Max will mich aber in Wirklichkeit rausschmeißen..

Im Laufe des Erstgesprächs wird klar, das Max nicht nur bei Besuch gestresst ist. Er ist geistig völlig unterfordert und mit seiner Familie völlig überfordert. Seine Familie geht täglich mit Max spazieren. 2 Stunden mindestens,-das klingt doch ganz ordentlich. Aber jetzt stell Dir mal vor, Du darfst nur noch spazieren gehen! Nix anderes! Garnix! Kein Arbeiten gehen, kein Lesen, auch keine Tageszeitung, kein Fernsehen,kein Computer, keine neuen Rezepte ausprobieren, keine neue Sportart kennenlernen… Wird immer unschöner, oder? Das ist vielleicht 3 Wochen schön,- voll das Lotterleben.. Mal so richtig rumhängen, chillen.. Aber niemand möchte das sein ganzes Leben lang.. Da wird man irre …DAS muss Max aber aushalten..Und das ist nicht artgerecht. Ein Border Collie will arbeiten und zwar geistig..Stöckchen holen ist kein geistiges Training, das ist ein geistiger Witz für einen Hund..

Soweit so gut, halten wir also fest, Hunde brauchen körperliche UND geistige Auslastung, um wirklich glücklich und gesund zu sein!

Jetzt zu der anderen Spezies,- die am anderen Ende der Leine.. Was ist denn mit der so? Wie artgerecht Leben denn wir Menschen? Hunde brauchen geistige UND körperliche Auslastung, hatten wir ja festgestellt. Brauchen wir Menschen aber doch auch, oder?

Stellt Euch wieder folgendes Szenario vor: Familie mit Hund. Morgens geht der Mensch mit seinem Hund einmal um den Block. Geschäfte erledigen und Zeitung lesen. Dann gehts per Auto ins Büro. Mensch arbeitet, Hund döst und nimmt zwischendurch Leckerchen der Kunden entgegen. Mittagspause. Mensch geht rüber zum Imbiss nebenan, Hund döst und verdaut all die Leckerchen. Mensch kommt zurück vom Imbiß, Gassirunde um den Block mit seinem Hund, dann wird wieder gearbeitet. Abends raucht Mensch der Kopf und Hund brennt der Po vom vielen Liegen. Feierabend. Mensch mit Auto zurück nach Hause. Gassirunde mit Hund, man trifft auf andere Menschen auch mit Hund, unterhält sich. Die Hunde an der Flexileine, kann also nix passieren. Hunde unterhalten sich auch. Dann ist die Runde um den Block beendet, alle gehen wieder rein, Fernseher an. Hund legt sich auf die Decke, Mensch setzt sich aufs Sofa, isst Abendbrot und guckt in die Flimmerkiste. Um elf nochmal Pippi machen für den Hund, dann ab ins Bett.

Euch tut der Hund leid? Mir auch, aber was ist mit dem Mensch los?? Der Mensch hat den ganzen Tag geistig gearbeitet, hat aber seinen Körper völlig vernachlässigt. Und das freiwillig!! Ohne das er auch wiederum einen Menschen hat, der ihm seinen Tagesablauf vorgibt. Völlig von alleine sorgt dieser Mensch dafür, dass sein Körper immer schwächer, träger, fülliger und kränker wird.. Und wenn nix mehr geht, ab zum Arzt und rein mit den Blutdrucktabletten..

Ich bin fies, ich weiß.. Aber ich appeliere an alle Menschen,- lebt artgerecht!! Oder wenigstens artgerechter..

Pflegt Euren Geist, das ist gut. Aber pflegt um Gottes Willen auch Euren Körper! Ihr habt nur den einen! Pro Leben ein Körper! Gönnt Eurem Hund geistiges Training und gönnt Eurem eigenen Körper körperliches Training! Verbindet beides miteinander, geht gemeinsam joggen, fordert den Hund dabei. Versteckt Dummies, die Eurer Hund suchen darf unterwegs. Lasst Euren Hund sitzen und platzen und apportieren und klettern und alles mögliche mehr, und rennt dabei mit… Rennt… rennt….

Und wenn Ihr nicht wisst, wie… ruft mich an…Bucht mich,- ich renne mit Euch und wir machen ein so vielseitiges Training mit Eurem Hund, das beide danach glücklich und dreckig auf dem Sofa liegen… 🙂    Hups..

 

In diesem Sinne, ich gehe jetzt zum Erstgespräch. Mal gucken, ob der Hund sich über meinen Besuch freut… 🙂

 

herzlichst,

 

Simone und Mable

 

2016-01-22T07:09:48+00:00

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